Effiziente Talentförderung beginnt im Bett!

By 16. Dezember 2019 Dezember 17th, 2019 Events

Klingt lustig, ist aber wahr. Was im ersten Moment etwas zynisch und nach einem Scherz klingt, ist leider Tatsache.

Spieler welche im Jänner, Februar und/oder März geboren sind haben größere Chancen in Auswahlen/Nationalteams bzw. beim Profiteam aufgenommen zu werden als jene welche in der 2. Hälfte des Jahrganges geboren wurden. 

In der Fachsprache ist vom R.A.E  –  Relativ Age Effect die Rede. Also von jenen Sportler welche in den ersten Monaten geboren wurden und dadurch systematisch bevorzugt werden. 

Im Jahre 2014 setzte ich mich mit der Thematik intensiv auseinander, da ich zu exakt diesen Thema als Vortragender für einen Trainerfortbildung eingeladen wurde. Um interessante Zahlen präsentieren zu können habe ich mir 2 österreichische Bundesliga Verein herausgesucht. Eklatant auffällig waren die Geburtenmonate bei einem Hauptstadtklub. Vom eingetragenen 23 Mann Kader wurden 16 (!) in den Monaten Jänner, Februar oder März geborgen. 2 Spieler im April, die restlichen 5 waren auf die übrigen 8 Monate aufgeteilt. Anders betrachtet waren 20 Spieler in der ersten Hälfte des Jahres geboren und nur 3 Burschen in der 2. Hälfte!

Zufall ?

Das leitet sich daher ab, dass Spieler welche in den ersten Monaten geboren sind,  physisch weiter entwickelt sind. Dem Verein kann damit eher zu 3 Punkte verholfen werden als kleinere und demnach wahrscheinlich jüngerer Spieler.

Spieler welche 10 Monate älter und somit länger im Training/Spiel sind können auf mehr Erfahrung zurückblicken. Statistisch gesehen ist ein 10 jähriger welcher im Jänner geboren ist einem 10 jährigen welcher im Dezember geboren ist um 10% mit seiner Lebenserfahrung und seinem Trainingsfortschritt voraus. Rechnet man dies auf ein Spiel hoch, bringt das in einigen engen Partien den Unterschied!

Frühgeborene profitieren nicht nur im Selektionsmodus bei div. Auswahlen vom Vorteil des Alters sondern auch im wöchentlichen Spielbetrieb. Mehr Einsatzsatz bedeutet mehr Spielpraxis. Im Hochleistungssport ist dies oftmals ein wesentlicher Faktor denn mehr Spielzeit bedeudet auch einen besseren Entwicklungsfortschritt aber auch eine höhere Wahrscheinlichkeit durch gute Leistung aufzeigen zu können und somit eventuell gesichtet zu werden.

(Quelle: Baker, J., Schorer, J., & Cobley, S. (2010). Relative age effects. Sportwissenschaft, 40 (1), 26-30. )

Matthäus-Effekt (ROMANN/FUCHSLOCHER, 2010).

Welche systematischen Mitteln gibt es um den R.A.E den Kampf anzusagen?

…außer dem eigenen Kind täglich Motivation zuzusprechen hat man als Elternteil kaum Möglichkeit sich dagegen zu wehren. 

Als Fußballverband könnte man eine Potentialanalyse veranlassen um den Athleten besser einschätzen zu können. In der Schweiz wurde dafür die PISTE (Prognostische Integrative Systematische Trainer-Einschätzung) vom Swiss Olympic und die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände ausgearbeitet um dieses Phänomen zu bekämpfen.

Eine 2. Möglichkeit wäre ein Handwurzelröntgen indem mit  99% Sicherheit das biologische Alter bestimmt werden kann. Resultierend aufgrund des Ergebnis könnte der Spieler in der passenden Kategorie eingestuft werden.

Man kann durchaus auch der Meinung sein, „ der Junge muss sich halt durchbeißen“, wenn er gut genug ist schafft er die Unterscheide auszugleichen. Meiner Meinung nach geht es nicht immer um den Leistungssport und um das Ziel Profi zu werden. In der großen weiten Fußballwelt gibt es genug Spieler und Spielerinnen welche zum kicken aufhörten da ihnen im Breitensport dadurch der Spaß genommen wurde. 

Verstärkt wurde dieses ganze Phänomen durch 11 jährige vollbärtige Spieler welche am 1.1. des betroffenen Jahres geboren sind.. Doch dies ist eine andere Geschichte!

Sascha Gasthuber